Rittergut & Co.


Der Rittersitz ist der Wohnsitz eines adligen Grundherrn, zu dem nicht zwingend ein Wirtschaftshof gehörte. Mitunter war lediglich ein Wohnhaus vorhanden.

Ein Herrensitz ist ein Ort, nach dem sich Angehörige von Herrengeschlechtern nannten und in welchem sie ihren Wohnsitz zumindest vorübergehend hatten. Dabei spielte der konkrete adlige Stand keine Rolle.

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden diese beiden Bezeichnungen durch das Rittergut ersetzt. Jeder Adlige, der seinem Lehnsherren Kriegsdienste leistete, konnte im Mittelalter den Titel eines Ritters verliehen bekommen. Dafür erhielt er meist Grundbesitz. Doch im 14. Jahrhundert begann der Niedergang des Rittertums, als die alten Lehnsheere durch Söldnertruppen ersetzt wurden und die Erfindung des Schießpulvers zur Veränderung der Kriegsführung führte. Die Rittergutsbesitzer wendeten sich häufig der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ihrer Güter zu. Als Ausgleich zum zu leistenden Kriegsdienst wurden bestimmte Verpflichtungen auf das Rittergut übertragen und bestehende Vorrechte gleichzeitig eingeschränkt. Ritterdienste wurden teilweise in Geldleistungen umgewandelt, die aus den Erträgen der landwirtschaftlichen Nutzflächen erbracht werden konnten. Mit der Ausübung des politischen Mitbestimmungsrechts in den Landtagen lag weiterhin Bedeutung auf den Rittergütern. Die ersten bürgerlichen Rittergutsbesitzer gab es im 17. Jahrhundert. Im folgenden Jahrhundert nahm deren Zahl stark zu. Die meist weitläufigen landwirtschaftlichen Flächen erforderten oft mehrere Gebäude, um die Bewirtschaftung zu gewährleisten. So bestand ein Rittergut meist aus einem Herrenhaus oder Verwaltergebäude, Stallungen, Scheunen und spezifischen Wirtschaftsgebäuden. Ein Rittergut musste eine Mindestgröße besitzen, um rentabel zu sein und seinem Besitzer eine standesgemäße Existenz zu ermöglichen. Mit den Rittergütern waren bestimmte Verpflichtungen und Privilegien wie die Befreiung von öffentlichen Lasten verbunden. Diese Rechte gingen bei einem Verkauf auf den jeweiligen neuen Besitzer über.

Eine Unterform ist das trockene Rittergut. Hierbei existierten weder Wohn- noch Wirtschaftsgebäude, sondern die Bezeichnung stand lediglich für das Innehaben von bestimmten Befugnissen.

Ein Vorwerk war in früherer Zeit eine vorgelagerte Befestigungsanlage und entwickelte sich im Laufe der Jahre in seiner Bedeutung zu einem Gebäudekomplex ähnlich einem Rittergut. Meist handelte es sich um einen Gutsteil, der vom Hauptgut abgetrennt war und nicht von den Eigentümern bewohnt wurde, jedoch in Verbindung mit der Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen stand. Ein Vorwerk stand somit im Rang unter einem Rittergut.

Als Kammergut wurden Land- und Herrschaftsgüter bezeichnet, die dem Landesfürst direkt unterstanden und sich in seinem Besitz befanden. Ein Kammergut entstand zum Beispiel durch den Ankauf eines Rittergutes, im umgekehrten Fall konnte ein Kammergut durch den Verkauf an einen adligen Besitzer wieder zum Rittergut werden. Über Einkünfte, die aus den Kammergütern erzielt wurden,  konnte er selbst verfügen. Diese Einkünfte wurden von der landesherrlichen Finanzbehörde, der Kammer, verwaltet.

Das Allodialgut oder auch Freigut war ein Gutshof, über das dessen Eigentümer frei verfügen konnte, da auf ihm keine Verpflichtungen lagen. Es konnte frei vererbt werden und befand sich vollumfänglich im Besitz des jeweiligen Besitzers. Diese Vorteile konnten sich häufig nur adlige Herren erhalten.

Ein Lehngut war ein Gutshof, der lediglich genutzt, aber nicht vererbt werden konnte. Er befand sich im Besitz des Lehnherrn und wurde als Lehen vergeben. Der Nutzer hatte Auflagen zu erfüllen wie beispielsweise das Zahlen von Steuern. Verzichtete der Lehnsherr auf seine Rechte zugunsten des Nutzers, konnte aus dem einstigen Lehngut ein Allodial- oder Freigut entstehen.

HINWEIS! Selbst wenn ein Gebäude oder Grundstück als leer stehend beschrieben wird, berechtigt dies NICHT zum unbefugten Betreten!

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