Haithabu – Ausgrabungen und Runensteine

 

Ausgrabungen

Nachdem Haithabu zer­stört und nicht wie­der auf­ge­baut wor­den war, ver­fiel die auf­ge­ge­bene Siedlung ge­gen Ende des 11. Jahrhunderts auch auf Grund des Wasseranstiegs von Ostsee und Schlei. Das Hafen- so­wie das Siedlungsgelände gin­gen ober­ir­disch voll­stän­dig ver­lo­ren. Schließlich ge­riet der Ort gänz­lich in Vergessenheit. Die Wallanlage wurde irr­tüm­lich lange Zeit im Volksmund als “Oldenburg” bezeichnet.

1897 ver­mu­tete der dä­ni­sche Archäologe Sophus Müller das alte Haithabu in­ner­halb des Halbkreiswalls. Diese Annahme wurde drei Jahre spä­ter be­stä­tigt, wor­auf­hin bis 1915 um­fang­rei­che Grabungen statt­fan­den, um die Rolle Haithabus für die Geschichte Dänemarks zu er­for­schen. Weitere in­ten­sive Ausgrabungen fan­den von 1930 bis 1939 un­ter Herbert Jankuhn statt, wo­bei diese seit 1934 un­ter der Schirmherrschaft von SS-​Reichsführer Heinrich Himmler stan­den. Im Jahr dar­auf ver­lieh Himmler Haithabu den Status “Deutsche Kulturstätte”. Jankuhn wurde 1945 ver­haf­tet und die Grabungen wur­den un­ter Kurt Schietzel fort­ge­führt. Nachdem Jankuhn 1948 ent­las­sen wurde, konnte er im fol­gen­den Jahr die Arbeit in Haithabu wie­der aufnehmen.

Dass das Gebiet des frü­he­ren Haithabus nie über­baut wor­den und auf­grund der Nässe der Uferbereich gut er­hal­ten war, wa­ren güns­tige Voraussetzungen für die Archäologen. Ab 1959 wur­den die ge­samte Südsiedlung au­ßer­halb des Halbkreiswalles so­wie ein gro­ßer Teil des al­ten Siedlungskerns in­ner­halb des Walles aus­ge­gra­ben. Auf ei­ner Tauchfahrt 1953 im Hafen wur­den Reste der Hafenpalisade so­wie das Wrack ei­nes Wikingerschiffes ent­deckt, wel­ches da­mals nach ei­nem Brand un­ter­ging. Erst 1979 bot sich die Möglichkeit das Wrack zu he­ben und zu ber­gen. Das 24 m lange und 6 m breite Langschiff wurde kon­ser­viert, re­kon­stru­iert und im Wikinger-​Museum Haithabu aus­ge­stellt. Außerdem wur­den Landestege, Schiffbrücken, Befestigungsanlagen, Speichergebäude und Werkstätten gefunden.

Als ei­nes der wich­tigs­ten Gräber gilt das Bootkammergrab, das als nied­rige ovale Erhebung süd­lich des Halbkreiswalles zu er­ken­nen ist. Es wurde 1908 ent­deckt und gilt als in sei­ner Form ein­ma­lig. Die höl­zerne Grabkammer war in ei­nen klei­ne­ren und ei­nen grö­ße­ren Teil un­ter­teilt und ent­hielt die Beigaben der ver­mut­lich drei Bestatteten. Gefunden wur­den un­ter an­de­rem Pfeile, Schwerter, Silberschmuck und ein Holzeimer. Neben der Grabkammer wur­den die Skelette dreier Pferde iden­ti­fi­ziert. Über der Grabkammer wur­den die Reste ei­nes etwa 16 m lan­gen und un­ge­fähr 3 m brei­ten Bootes ge­fun­den, des­sen ge­naue Größe sich auf­grund des Grades der Zerstörung nicht mehr er­mit­teln lässt. Die Beisetzung wird zwi­schen das späte 9. und das frühe 10. Jahrhundert da­tiert. Wer in die­sem Bootkammergrab be­stat­tet wor­den war, lässt sich nicht klä­ren. In kei­nem an­de­ren be­kann­ten Fall wur­den die Toten un­ter­halb ei­nes Bootes bei­gesetzt. Anhand der wert­vol­len Beigaben wird über ei­nen hö­he­ren so­zia­len Stand spekuliert.

Seit 2005 wird er­neut ge­gra­ben. Damit soll u. a. der “Stadtplan” über­prüft wer­den, des­sen Anfertigung 2002 begann.

 

Die Hochburg

Am neuen Friedhof von Haddeby vor­bei ge­langt man zu ei­ner na­tür­li­chen Anhöhe, der Hochburg von Haithabu. Vielleicht exis­tierte hier be­reits vor der Gründung Haithabus eine Fluchtburg. In dem fla­chen Wall am Abhang be­fan­den sich mög­li­cher­weise drei Tore. Viele fla­che Hügel zwi­schen den Bäumen las­sen auf ei­nen Begräbnisplatz schließen.

 

Die Runensteine von Haithabu

Die Runensteine von Haithabu stel­len his­to­ri­sche Zeugnisse und Gedenksteine dar. Auf Haithabu be­zie­hen sich vier Runensteine, die in zwei Gruppen un­ter­teilt und im Original im Wikinger-​Museum Haithabu aus­ge­stellt sind. Nachbildungen be­fin­den sich in etwa an der je­wei­li­gen Fundstelle.

Die Svensteine be­stehen aus dem Erikstein und dem Skarthistein. Nach Auswertung ver­füg­ba­rer Quellen kann ver­mu­tet wer­den, dass beide Steine sich auf eine Belagerung Haithabus be­zie­hen, aus dem spä­ten 10. oder zei­ti­gen 11. Jahrhundert stam­men und von ein und dem sel­ben König Sven ge­stif­tet wur­den. Der Erikstein wurde 1796 zwi­schen Haithabu und dem Königshügel ent­deckt. Auf der Kuppe des Kreuzberges be­fan­den sich drei Grabhügel, zwi­schen de­nen der um­ge­fal­lene Erikstein ge­fun­den wurde. Seine Kopie steht in Wedelspand an der Straße K1. Der Skarthistein wurde 1857 süd­lich von Busdorf nahe ei­nes Grabhügels ent­deckt. Möglicherweise ge­hör­ten die in dem Grab ge­fun­de­nen Skelettüberreste zu je­nem Skarthi, dem der Runenstein ge­wid­met war. Skarthi diente un­ter dem dä­ni­schen König Sven Gabelbart und fiel ver­mut­lich im Kampf um Haithabu im Jahre 983. Es ist der ein­zige Runenstein in Deutschland, der, als Nachbildung in Busdorf, an sei­nem ur­sprüng­li­chen Platz im Freien steht.

Die Sigtryggsteine sind die bei­den äl­te­ren Runensteine, die aus der Mitte oder dem Ende des 10. Jahrhunderts stam­men. Sie be­zie­hen sich auf Sigtrygg, Sohn der Königin Asfrid, die ihm diese Steine wid­mete. Der große Sigtryggstein mit schwe­di­schen Runen wurde 1797 zwi­schen dem Haddebyer und dem Selker Noor ent­deckt, eine Kopie be­fin­det sich ebenda. Sigtrygg war der letzte König sei­nes Geschlechts und wurde ver­mut­lich um 940 vom neuen dä­ni­schen König Gorm aus Dänemark ver­trie­ben. Er kam mög­li­cher­weise drei Jahre spä­ter bei ei­nem Wikinger-​Feldzug in der Normandie ums Leben. Den klei­nen Sigtryggstein, des­sen Kopie im Gelände der Wikinger-​Häuser steht, mit dä­ni­schen Runen ent­deckte man 1887 ein­ge­mau­ert in den Fundamenten ei­ner Bastion des Schlosses Gottorf.

 

wei­ter­le­sen: Zeitgenossenbericht und Gegenwart