Über das Portal

 

Sachsens Schlösser ist ein Online-​Informationsportal, wel­ches sich mit sämt­li­chen je­mals exis­tie­ren­den und noch vor­han­de­nen Schlössern, Burgen und Rittergütern be­fasst. Betrachtet wird das säch­si­sche Gebiet in sei­nen Grenzen seit 1990, so dass ei­nige Schlösser und Rittergüter, die sich heute auf pol­ni­schem, bran­den­bur­gi­schem, sachsen-​anhaltinischen oder thü­rin­gi­schem Boden be­fin­den, un­be­rück­sich­tigt blei­ben. Mittlerweile ver­zeich­net das Portal über 8,3 Millionen Zugriffe. Was als Hobby be­gann, wird nun schritt­weise in neue Bahnen ge­lenkt.

Mit den über die Jahre ge­sam­mel­ten Informationen über säch­si­sche Schlösser, Burgen und Rittergüter soll an­de­ren Interessierten die Möglichkeit ge­ge­ben wer­den, auf be­reits zu­sam­men ge­tra­gene, teil­weise schwer er­hält­li­che Informationen zu­grei­fen zu kön­nen. Die Arbeit an Sachsens Schlösser ist in­for­ma­tiv und auf­schluss­reich. In den his­to­ri­schen Gebäuden sehe ich Zeitzeugen, die mit­un­ter Jahrhunderte alt sind und noch im­mer er­strah­len, auch wenn ihre Fassade ris­sig ist, die auf­grund ih­res Alters auf ihre ei­gene Art und Weise Geschichten er­zäh­len, aus gu­ten Zeiten, aus schlech­ten Zeiten, und die ein ho­hes Maß an Respekt ver­die­nen. Aus die­sem Grund be­gegne ich ih­nen je­des Mal mit ei­ner un­vor­ein­ge­nom­me­nen Faszination.

Immer wie­der span­nend und auf­schluss­reich sind Gespräche mit äl­te­ren Einwohnern in zu­meist länd­li­chen Gegenden, die dort be­reits auf­ge­wach­sen sind und ih­rem Heimatort nach so vie­len Jahrzehnten noch im­mer die Treue hal­ten. Sie er­in­nern sich an Erlebnisse ge­rade so, als wä­ren diese erst letzte Woche ge­sche­hen. Sie er­zäh­len vom Rittergut, auf dem die Großeltern ge­ar­bei­tet ha­ben, von der Kindheit, als sie die Ferien auf dem Gut des an­ge­se­he­nen Grafen ver­brin­gen durf­ten, von der Explosion ei­nes Blindgängers ei­nige Zeit nach Kriegsende, bei der das Schloss voll­kom­men zer­stört wurde. Die im­mer we­ni­ger wer­den­den Zeitzeugen sind von quasi un­schätz­ba­rem Wert und oft höchst be­geis­tert “von frü­her” er­zäh­len zu dür­fen.

Mit bes­ten Grüßen

Katja Kretzschmar
Schlossherrin /​ Projektleitung

Falls Sie wis­sen möch­ten, wie es einst zur Entstehung ide­ses Portals kam, le­sen Sie gern wei­ter:

 

Über die Anfänge ei­nes Projektes rund um Sachsens Schlösser, Burgen und Rittergüter

Psychologische Erklärungsansätze ge­hen im­mer wie­der da­von aus, dass Ursachen für be­stimmte Dinge in der Kindheit zu su­chen wä­ren. Wenn ich zu­rück denke, fällt mir meine miss­mu­tige Laune ein, wenn sonn­tags ein Familienausflug zu ei­nem Schloss, ei­nem lang­wei­li­gen, al­ten Kasten, wie ich es da­mals emp­fand, an­stand, und ich Büchern, Bastelutensilien oder Briefpapier für ein paar Stunden zur Seite le­gen sollte. Doch manch­mal än­dern sich die Dinge. Habe ich als Kind die ge­samte Bibliothek am Sachsenbad in Dresden rauf und run­ter ge­le­sen, brau­che ich heute für ei­nen Roman an die zwei Jahre. Ähnlich än­derte sich mein Blick auf die ol­len, al­ten Kästen.

Meine Brieffreundin aus den Niederlanden, und ihre Freundin hat­ten sich 1998 be­suchs­weise bei mir ein­quar­tiert. Wir stan­den am Fähranleger im Kurort Rathen und die bei­den wa­ren voll­auf fas­zi­niert von der herr­li­chen Landschaft, den Felsformationen, dem strah­lend blauen Himmel. Doch die Begeisterung hielt nur so lange vor bis sie er­fuh­ren, dass un­ser Ziel die stei­nerne Brücke war, die sich zwi­schen den Felsen hoch oben ab­zeich­nete. Für die bei­den kam der Aufstieg zur Bastei ei­ner Gipfelerklimmung des Himalayas gleich. Genau die­ser Besuch ist die ei­gent­li­che Geburtsstunde von “Sachsens Schlösser” ge­we­sen, denn eine Woche wollte gut vor­be­rei­tet wer­den, um den bei­den ein in­ter­es­san­tes Ausflugsprogramm bie­ten zu kön­nen.

Über Nacht war das Interesse er­wacht und die Zeit zeigte, dass es sich hier­bei nicht um ein flüch­ti­ges Interesse han­delte, das nach ein paar Wochen oder Monaten wie­der ab­flachte. Das war et­was, was blei­ben wollte. Die Anfänge be­stan­den zu­nächst noch aus dem stein­zeit­li­chen Sammeln von Zeitungsartikeln und Broschüren und ich war wie­der häu­fi­ger in der Bibliothek auf­zu­fin­den. Über vier, fünf Jahre dau­er­ten diese noch ein­fa­chen Recherchemethoden an, die ein­zig dem per­sön­li­chen Vergnügen dien­ten. Die Ordner nah­men lang­sam den Platz weg und so reifte die Entscheidung, schritt­weise al­les di­gi­tal auf­zu­be­rei­ten.

Irgendwann stand die Frage im Raum, warum diese Arbeit nicht auch an­de­ren Menschen zu­gäng­lich ge­macht werde. In ei­nem Telefonat ge­gen 3 Uhr nachts mit ei­nem gu­ten Bekannten aus Hessen wurde das Für und Wider hin und her dis­ku­tiert. Kopfzerbrechen be­rei­te­ten zwei Dinge: Die man­gelnde Kenntnis von der Gestaltung und Pflege ei­ner Homepage so­wie die zu je­nem Zeitpunkt noch nicht allzu um­fang­rei­chen Beiträge und Listen. Das Endergebnis des mehr­stün­di­gen Telefonats war so sim­pel wie ein­leuch­tend: Beides kann ge­än­dert wer­den. Nach zwei, drei Stunden Schlaf und dem re­gu­lär neun­stün­di­gen Arbeitstag be­gan­nen auch schon die ers­ten Vorbereitungen. Das war 2003.

In der ers­ten Zeit war “Sachsens Schlösser” un­ter an­de­rem Namen auf ei­ner sta­ti­schen Website be­hei­ma­tet, die um­ständ­lich un­ter FrontPage er­stellt wor­den war und keine allzu kom­for­ta­ble Navigation bot. Sie war vor al­lem für mich eine Spielerei, bei der ich pro­bie­ren, bas­teln, ver­än­dern konnte. Zudem war mir da­mals noch über­haupt nicht klar, wo­hin der Weg ein­mal füh­ren und was aus dem Projekt wer­den würde.

Im Jahre 2008 wurde der Umzug auf die heute be­kannte und ak­tive URL voll­zo­gen, ein Aufwand, der viele Nächte ge­kos­tet hat, aber über­aus nütz­lich und not­wen­dig war. Das Angebot wurde für den Nutzer nicht nur über­sicht­li­cher und leich­ter na­vi­gier­bar, auch die ei­gene Arbeit hin­ter den Kulissen hat sich deut­lich ver­ein­facht, seit mit dy­na­mi­schen Seiten ge­ar­bei­tet wird.

Im Frühjahr 2012 gab es Überlegungen, die ge­nutzte Software auf die neu­este Version um­zu­stel­len, was mit dem größ­ten zeit­li­chen Aufwand bis­her ver­bun­den war. Am 1. August be­gan­nen die Arbeiten dazu, die schät­zungs­weise drei­hun­dert Zeitstunden in Anspruch ge­nom­men ha­ben und eine Änderung des Designs er­for­der­lich machte. Mit der neuen Version wurde das Arbeiten im Hintergrund noch­mals ver­ein­facht und Verbesserungen in der Menüführung und Übersichtlichkeit wur­den er­mög­licht. Nach nun­mehr acht Jahren wurde es Zeit, die Website er­neut auf den Prüfstand zu stel­len und tech­nisch zu ak­tua­li­sie­ren.

Es wird auch in den nächs­ten Jahren noch ge­nug zu tun ge­ben, um auch zu den bis­lang we­ni­ger be­schrie­be­nen Objekten wei­tere Informationen zu ih­rer Geschichte, zu ih­rer Erbauung und zu ih­ren Besitzern zu er­mit­teln und ein­zu­ar­bei­ten. Die Arbeit an die­sem Projekt ist wie ein Fass ohne Boden und so sieht es an der ei­nen oder an­de­ren Stelle so aus, als wäre zu die­sen Objekten nicht be­son­ders viel ge­tan. Doch nicht je­des Rittergut und gleich gar nicht je­des Vorwerk ist der­art be­deu­tend ge­we­sen wie bei­spiels­weise eine Festung Königstein oder eine Burg Rabenstein, zu de­nen es eine Vielzahl von her­an­zieh­ba­ren Quellen gibt. In man­chen Fällen ist be­reits ein ein­zel­ner Satz in ei­ner Ortschronik oder eine Information ei­nes Einheimischen ein Glückstreffer, um über­haupt ei­nen Anhaltspunkt zu ha­ben.

Was bleibt ist der per­sön­li­che Wunsch, die Arbeit an “Sachsens Schlösser” be­stän­dig fort­zu­füh­ren und ir­gend­wann selbst ein­mal ein Herrenhaus oder ein klei­nes Schloss käuf­lich er­wer­ben zu kön­nen, um die­sem das trau­rige Schicksal des wei­te­ren Verfalls zu er­spa­ren.

(August 2012)