Ruinenbaukunst

Wunderschön die düstern Mienen
Durch das grüne Laubgewind!
Doch das schönste an Ruinen
Ist, daß sie Ruinen sind.

(aus: „Die Ruinen“ von Adolf Glaßbrenner)

So wie sich im Laufe der Zeit und der Jahrhunderte viele Dinge geän­dert haben, so hat sich auch der Geschmack bei der Landschaftsgestaltung ver­än­dert. In der zwei­ten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man sich an baro­cken Gärten zu lang­wei­len und das Interesse ging hin zum emo­tio­na­len Landschaftspark. In die­sem Zusammenhang wech­sel­ten auch die Vorlieben für die Staffagen, dem deko­ra­ti­ven Beiwerk, mit dem seit der Antike die herr­schaft­li­chen Gärten aus­ge­stat­tet wur­den. In den Gärten der Renaissance und des Barocks wur­den vor allem antike Tempel, Grotten, Grab- und Denkmäler, Äquadukte und Brücken imi­tiert. Großer Beliebtheit erfreu­ten sich auch Wasserfälle und Teufelsbrücken.

Etwas spä­ter in der Romantik ent­stand spe­zi­ell im deutsch­spra­chi­gen Raum eine Sonderform der Gartenarchitektur. Die Rückbesinnung auf die Ideale und die Moral des längst ver­gan­ge­nen Zeitalters der Ritter und ihrer Burgen erreichte auch die Bildenden Künste. Vor allem im spä­ten 18. und im frü­hen 19. Jahrhundert herrschte eine zuneh­mende Begeisterung für das ver­gan­gene Mittelalter vor. Künstliche Ruinen hiel­ten Einzug in die Landschaft, häu­fig in Form einer Nachbildung einer klei­nen ver­fal­le­nen Burg. Dabei gab es meh­rere Varianten: Entweder wurde ein Vorgängerbau in das neue Ruinenobjekt mit ein­be­zo­gen wie zum Beispiel beim Goßdorfer Raubschloss, oder es wurde als kom­plett eigen­stän­di­ges Relikt geschaf­fen wie bei­spiels­weise die Gersdorfer Ruine, oder es wurde ein zu dama­li­ger Zeit moder­nes Bauwerk unter Einbeziehung von rui­nen­haf­ten Elementen erbaut.

Die Zeit der künst­li­chen Burgruinen hielt aller­dings nicht lange an. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ward schon wie­der ein neues Lieblingsbauwerk gefun­den und man errich­tete an fast jedem sich anbie­ten­den Fleckchen einen Aussichtsturm. So wur­den zum Beispiel der Bismarckturm in Berggießhübel und der Aussichtsturm auf dem Pfaffenstein erbaut. Ein Teil der Aussichtstürme, dar­un­ter der Mäuseturm in Radebeul und der Wartturm in Weinböhla, wurde eben­falls als künst­li­che Ruine erschaffen.

Die künst­li­chen Ruinen wur­den nicht zusam­men­hangs­los errich­tet, son­dern stan­den stets im Bezug zur Landschaft oder als Gegenpol zu bereits bestehen­den Bauten. Hier soll vor allem die Tempelruine im Dresdner Meixgrund als Beispiel ange­führt wer­den. Die Ruinen soll­ten die Garten- oder Parkanlage schmü­cken, einen ein­sa­men Raum zum Nachdenken schaf­fen oder sie wur­den als ein aus­ge­fal­le­ner Rahmen für klei­nere Festlichkeiten genutzt.

Inspiriert von der Romantik der Burgruinen lie­ßen ab dem 19. Jahrhundert auch einige Schlossbesitzer künst­li­che Ruinen in ihren Schlossgärten und Parks erstel­len. Der Baustil stammte aus dem eng­li­schen Empire und wurde in unse­ren Breiten spä­ter als Neogotik oder Neugotik bezeich­net. Dass goti­sche Ruinen anti­ken Ruinen vor­ge­zo­gen wur­den lag daran, dass hier­zu­lande etwa ab der Mitte des 12. bis Ende des 15. Jahrhunderts tat­säch­lich goti­sche Bauten errich­tet wor­den waren und keine anti­ken. Man rekon­stru­ierte etwas bereits Dagewesenes.

Kennzeichnend für den goti­schen Baustil waren vor allem Kreuzgewölbe, Ornamente aus geo­gra­fi­schen Figuren, hohe lang­ge­streckte Räume sowie Spitzbogenfenster. Die Raumgröße wurde bei den künst­li­chen Ruinen ver­nach­läs­sigt und nicht den Originalen nach­emp­fun­den, da es sich nur um kleine Zierbauten han­delte. Bei nähe­rer Betrachtung ist gut erkenn­bar, dass haupt­säch­lich unre­gel­mä­ßi­ges Bruchgestein ver­wen­det wurde, wobei beson­de­rer Wert auf die schmuck­ele­men­ta­ri­sche Gestaltung gelegt wurde.

Künstliche Burgruinen in unter­schied­li­chen Stadien des Verfalls soll­ten an die Vergänglichkeit der Menschen und ihrer Werke erin­nern. Sie soll­ten Melancholie und Wehmut her­vor­ru­fen und auf Traditionsbewusstsein und mora­li­sche Vorstellungen ver­wei­sen. Ehemals genutzte, aber seit lan­gem ver­las­sene und ver­ges­sene Architektur sollte zurück in die Gegenwart geholt wer­den, und auch der Zauber his­to­ri­scher Raubritterburgen sollte in der sich wan­deln­den Zeit und der immer moder­ner wer­den­den Gesellschaft wie­der prä­sent sein.

Künstliche Ruinen in Dresden

Drachenburg
Meixgrund /​ Meixstraße 64, Dresden-Pillnitz

Im Jahre 1903 ent­stand unter Arthur Horn die künst­li­che Ruine der Drachenburg im Meixgrund. Ihre Erbauung erfolgte rund fünf­hun­dert Jahre nach der Ersterwähnung der gas­tro­no­misch genutz­ten Meixmühle, in deren unmit­tel­ba­rer Nachbarschaft die Drachenburg steht. Erbaut wurde die künst­li­che Ruine zur Erinnerung an eine alte Sage, nach der im Meixgrund einst der Drache Meix hauste und jähr­lich eine Bauernmaid als Opfer for­derte. Der Drache wurde der Sage nach von einem muti­gen Müllerburschen getö­tet. Mittlerweile steht die Drachenburg unzäh­lige Jahre leer und unge­nutzt. Sie ist stark ein­sturz­ge­fähr­det und darf nicht mehr betre­ten wer­den. Ihre künf­tige Nutzung scheint ausgeschlossen.

Eremitage
Borsberg, Dresden-Borsberg

Die Eremitage ist eine künst­li­che Grotte, die unter Graf Marcolini zwi­schen 1775 und 1780 erbaut wor­den ist. Die Grotte hatte ein unter­ir­di­sches Kaminzimmer mit einer fla­chen, acht­ecki­gen Kuppel und ver­fügte über meh­rere Öffnungen sowie kleine Fenster, über die Tageslicht ins Innere gelangte. Über eine Treppe gelangte man zu einer Aussichtsplattform, auf der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Art Aussichtsturm gestan­den hatte. Ab etwa 1820 war die Eremitage nicht nur dem söch­si­schen Hofe vor­be­hal­ten, son­dern konnte öffent­lich besich­tigt wer­den. 1825 wurde nebenan eine könig­li­che Hofküche errich­tet, die auf einen Vorgängerbau zurück­geht und 1871 /​ 1872 zu einem Restaurant mit Hotel erwei­tert wurde. 1897 ver­lor das säch­si­sche Königshaus das Interesse an der Eremitage und über­ließ sie der Familie Bähr, wel­che die Gastwirtschaft betrieb. Der höl­zerne Aussichtsturm galt lange Zeit als ein­sturz­ge­fähr­det. Seine Reste wur­den des­halb schon vor vie­len Jahren ent­fernt. Die Eremitage selbst ist abge­sperrt und darf nicht betre­ten wer­den. Das Areal ist stark ver­wil­dert. Im unmit­tel­ba­ren Bereich der Eremitage befin­det sich eine Triangulierungssäule aus dem Jahr 1865.

Gotische Ruine
Schlossberg /​ Ruinenberg, Dresden-Pillnitz

Graf Marcolini ließ den Friedrichsgrund in der zwei­ten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit ver­schie­de­nen Staffagebauten ver­se­hen und schuf einen zu jener Zeit belieb­ten sen­ti­men­ta­len Landschaftspark. 1785 wurde als fina­ler Höhepunkt der Kleinbauten die künst­li­che Burgruine im goti­schen Stil auf dem Schloss- oder auch Ruinenberg errich­tet. Beim Bau wur­den Reste einer Wallburg inte­griert. Die Ruine erin­nert an eine ver­fal­lene, hoch­mit­tel­al­ter­li­che Ritterburg und sollte einen unmit­tel­ba­ren Kontrast zu Schloss Pillnitz dar­stel­len. Sie wurde vom Königshaus haupt­säch­lich für kleine Feierlichkeiten noch bis 1918 genutzt. Der Hauptraum, ein Saal, war damals über­dacht, die Fenster waren mit Scheiben ver­se­hen, es gab einen Kamin sowie eine Küche. Die Ruine wurde nach 1945 sich selbst und damit dem Verfall über­las­sen. Insbesondere nach Kriegsende wurde sie teil­weise abge­tra­gen, um drin­gend benö­tig­tes Baumaterial zu gewin­nen. In spä­te­rer Zeit kamen Verunstaltungen durch Graffitis hinzu. 2019 erfolgte die drin­gend erfor­der­li­che Sanierung. Dabei wur­den unter ande­rem die Zutrittsmöglichkeiten ins Innere ver­sperrt, ein begeh­ba­res Dach auf­ge­setzt, eine moderne Stahltreppe auf das Dach hin­zu­ge­fügt und Sichtachsen im Außenbereich freigeschnitten.

Historischer Eiskeller
Vogelgrund, Dresden-Pillnitz

Am Eingang in den Dresdner Vogelgrund steht der soge­nannte Historische Eiskeller. Er wurde um 1780 von Freiberger Bergleuten erbaut und diente der Einlagerung von Kühleis für die höfi­schen Feste im Schloss Pillnitz. Ein Lüftungsschacht des Eiskellers mün­dete auf der Bergkuppe in einen gemau­er­ten Schornstein. Im Zweiten Weltkrieg diente der Eiskeller als Luft-​schutzbunker, Treibstofflager und zum Einlagern von wert­vol­len Gegenständen wie dem Goldenen Reiter. Um 1960 ver­ur­sach­ten Sprengungen einen teil­wei­sen Einsturz des Gemäuers, so dass von einem wei­te­ren Ausbau abge­se­hen wurde. Der Eiskeller ist als Fledermausquartier und Kulturdenkmal geschützt. Er wurde 2018 einer auf­wen­di­gen Sanierung unter­zo­gen, nach­dem er nur wenige Jahre zuvor einem Hangrutsch fast voll­stän­dig zum Opfer gefal­len war.

Tempelruine
Friedrichsgrund, Dresden-Pillnitz

Als Pendant zur Gotischen Ruine auf dem Pillnitzer Schlossberg ent­stand die Tempelruine als künst­li­che Ruine eines anti­ken Tempels, die sich am Taleingang vom Friedrichsgrund unter­halb der Gotischen Ruine befand. Sie wurde im Auftrag von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen zwi­schen 1780 und 1783 errich­tet. Einst exis­tierte dane­ben ein künst­li­cher Wasserfall mit drei Wasserbecken. Von die­sen ist nichts mehr zu sehen. Von der Tempelruine sind heute nur noch unschein­bare Mauerreste vor­han­den. Sie befin­den sich recht­erhand am Eingang in den Friedrichsgrund und sie umfas­sen die Seitenmauern und die Rückseite. Die Tempelruine war einst ein recht gro­ßes Bauwerk.

Weinbergsgrotte
Königlicher Weinberg Wachwitz, Dresden-Wachwitz

Die Weinbergsgrotte wurde unter Ausnutzung eines natür­li­chen Felsens unter­halb der Wachwitzer Weinbergskapelle errich­tet. Sie diente ver­mut­lich der Lagerung von Weinen, die im Presshaus her­ge­stellt wur­den. Die Grotte ist heute ver­schlos­sen, um sie vor wei­te­rem Vandalismus zu schützen.
(Beitrag zum Königlichen Weinberg Wachwitz mit Foto der Weinbergsgrotte)

Künstliche Ruinen rund um Dresden

Blechburg
ober­halb von Augustusweg 110, 01445 Radebeul

Oberhalb vom Schloss Jägerberg befin­det sich die Blechburg, ein Aussichtsturm, der heute rui­nös ist. Die Blechburg wurde um 1844 unter dem Weinhändler August Traugott Hantzsch im Gotikstil erbaut. Sie wurde damals als Unterstellmöglichkeit genutzt und ver­fügte über einen Vorrats- und Geräteraum. Der obere Hauptraum war über eine Außentreppe zu errei­chen. Noch vor der eigent­li­chen Aussichtsplattform befand sich eine Aussichtsbastion. 1895 erwarb der Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz den Aussichtsturm gleich­zei­tig mit dem Schloss Jägerberg, wel­ches das Kurhaus IV wurde. Die Blechburg wurde damit Teil des Parkgeländes, das für die Sanatoriumsbewohner ange­legt wurde. 1944 wurde die Blechburg von Hitlerjungen brand­zer­stört. Die Ruine des acht­ecki­gen Turmes steht unter Denkmalschutz.

Bilzburg mit Grotte
ober­halb von Augustusweg 110, 01445 Radebeul

Die künst­li­che Ruine der Bilzburg wurde 1844 zeit­gleich mit der in ihrer Nachbarschaft befind­li­chen Blechburg für den Weinhändler August Traugott Hantzsch erbaut. Die in Privatbesitz befin­di­che Bilzburg ver­fügt über eine Aussichtsplattform. Sie wurde umfas­send saniert, wobei der Ruinencharakter bei­be­hal­ten wurde. Daneben befin­det sich eine Art Grotte, die eben­falls als künst­li­che Ruine erscheint und als fami­liäre Gedenkstätte genutzt wird.

Künstliche Ruine
am Herrenhaus Mohrenhaus, 01445 Radebeul

Die künst­li­che Ruine befin­det sich im Parkgrundstück des Herrenhauses Mohrenhaus. Dieser Park wurde um 1870 unter Wilhelm Theodor Demiani ange­legt, wel­cher auch den Neubau des schloss­ähn­li­chen Herrenhauses auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus beauf­tragt hatte. Der Bau der künst­li­chen Ruine datiert mög­li­cher­weise eben­falls auf diese Zeit. Die künst­li­che Ruine liegt in Höhenlage. Sie besteht aus einer halb­run­den Bastion aus Bruchstein, einer zwei­ge­schos­si­gen Turmruine, eben­falls aus Bruchstein, mit Rundbogenfenstern und ange­deu­te­ten Mauerresten.

 

Mäuseturm
ober­halb vom Bilzsanatorium, 01445 Radebeul

Der Mäuseturm in Radebeul wurde zwi­schen 1837 und 1840 als künst­li­che Ruine errich­tet. Der dama­lige Besitzer wollte den Turm ursprüng­lich für sich als Begräbnisstätte nut­zen. 1995 wurde der Mäuseturm durch Blitzschlag zer­stört. Er ist seit­dem nicht nur eine künst­li­che, son­dern auch eine echte Ruine und befin­det sich ober­halb vom ehe­ma­li­gen Bilzsanatorium. Es besteht Einsturzgefahr. Das Gelände ist den­noch zugänglich.

Wartturm
Am Börnchengrund, 01689 Weinböhla

Der Wartturm ist eine künst­li­che Ruine, die nie eine echte Wehr‑, Wart- oder sons­tige bedeu­tende Funktion inne­hatte. Sie wurde von dem Rittergutsbesitzer Carl Wilhelm Wießner 1900 im dama­li­gen mark­gräf­li­chen Jagdrevier, der Burggrafenheide, geschaf­fen und sollte über 13 Meter hoch wer­den. Kurz vor Fertigstellung stürzte der Turm jedoch ein. Stehen blieb die 6 m hohe Ruine, der Besitzer sah vom Wiederaufbau ab. Die Zinnen wur­den um 1930 ver­än­dert. Der Wartturm wurde 1990 nicht ganz ori­gi­nal­ge­treu saniert und ver­fügt über eine Aussichtsplattform

Burgruine Schomberg
Schlossberg, 01814 Bad Schandau

Die Burgruine Schomberg wurde 1883 als künst­li­che Ruine erbaut. Dabei wur­den Mauerreste der ori­gi­na­len, mit­tel­al­ter­li­chen Burg Schomberg inte­griert, wel­che um 1200 auf dem Schlossberg in Bad Schandau errich­tet wor­den war. Diese frü­here Befestigungsanlage diente als Strom- und Straßenwarte zur Sicherung des Warenverkehrs auf der Elbe sowie auf den länd­li­chen Handelswegen zwi­schen Böhmen, der Mark Meißen sowie der Lausitz. In Fehden zwi­schen 1419 und 1436 wurde die Burg zer­stört. Von der eins­ti­gen Burganlage sind nur wenige Überreste vor­han­den, so der dop­pelte Wall, der Graben und geringe Mauerreste. Die Anlage steht als früh­ge­schicht­li­ches Bodendenkmal unter Schutz. Eine Informationstafel weist auf den frü­he­ren Standort der ver­schüt­te­ten Zisterne hin. Die Burgruine kann als Aussichtsturm genutzt werden.

Goßdorfer Raubschloss
Schwarzberg, 01848 Hohnstein OT Goßdorf

Die künst­li­che Ruine des Goßdorfer Raubschlosses geht auf einen frü­he­ren rea­len Burgbau, die Burg Schwarzberg, zurück. 1372 wurde die Burg Schwarzberg erst­mals urkund­lich erwähnt. Die Burg diente als Sicherungsposten für die zu jener Zeit durch das Schwarzbachtal füh­rende Handelsstraße und der Sicherung der bei­den Hauptburgen Wildenstein und Hohnstein. Der Verfall der Burg Schwarzberg begann wohl im frü­hen 15. Jahrhundert. 1443 kam die Burg an Sachsen. Zu die­ser Zeit diente sie Raubrittern als Unterschlupf, wor­aus sich letzt­lich der heute bekannte Name Goßdorfer Raubschloss ablei­tete. 1858 ließ der Besitzer des Ulberndorfer Rittergutes auf den Fundamenten der Burg Schwarzberg eine künst­li­che Ruine erbauen. Heute ist das Goßdorfer Raubschloss ein belieb­tes Ausflugsziel.

Gersdorfer Ruine
im Cottaer Busch, 01819 Bahretal OT Gersdorf

Die Gersdorfer Ruine steht im Cottaer Busch nörd­lich vom ösli­chen Ortsrand von Gersdorf. Sie ist als Wanderziel aus­ge­schil­dert und am bes­ten von Gersdorf oder Berggießhübel kom­mend erreich­bar. Die künst­li­che Ruine wurde um 1820 durch den Generalleutnant von Leyßer, wel­cher unter ande­rem das Rittergut Gersdorf besaß, als Jagdunterkunft errich­tet. Der oft in Karten ein­ge­zeich­nete Aussichtspunkt ist mitt­ler­weile sehr bewal­det, ein klei­ner gemüt­li­cher Picknickplatz ist noch vor­han­den. Die Gersdorfer Ruine ist auf­grund mut­wil­li­ger Zerstörung stark gefährdet.

Kaiser-​Wilhelm-​Feste
Bielablick, 01824 Rosenthal-Bielatal

Die Kaiser-​Wilhelm-​Feste ist man­chem Einwohner und Wanderer auch unter dem Namen “Bielablick” bekannt. Es han­delt sich um einen Aussichtspunkt, an dem 1880 eine kleine künst­li­che Feste in Form einer Bastion errich­tet wurde. 1992 erfolg­ten an der Bastion not­wen­dige Sanierungsarbeiten. Die künst­li­che Ruine wirkt wie der letzte Überrest einer frü­he­ren Bergfestung und ist heute ein belieb­tes Ausflugsziel auf Wanderungen durch das Bielatal.

Ruinentürmchen
nahe Vorderer und Hinterer Bielaturm, 01824 Rosenthal-Bielatal

Das künst­li­che Ruinentürmchen befin­det sich von der Zerklüfteten Wand kom­mend in nörd­li­cher Richtung nahe der bei­den Felsen Vorderer und Hinterer Bielaturm. Es ent­stand, als der recht ver­mö­gende Julius Feßler 1887 ein Waldgrundstück erwor­ben hatte und sich dar­auf einen reprä­sen­ta­ti­ven Alterssitz ein­rich­tete. Dazu gehör­ten Aussichtspunkte, Steiganlagen, Brücken, eine heute teils ver­fal­lene künst­li­che Grotte und auch die kleine künst­li­che Turmruine.

Weitere künstliche Ruinen in Sachsen

Künstliche Ruine
Schloss Lauske, 02627 Weißenberg OT Lauske

Die kün­sti­che Ruine wurde 1807 unter dem Grafen von Bressler auf der Wallburg Lauske, einer frü­hen mit­tel­al­ter­li­chen Befestigungsanlage erbaut. Sie diente als Gartenhaus und Aussichtsturm. Die Ruine hat eini­gen Schaden genom­men, ist im Großen und Ganzen aber sehr gut erhalten.

Kupferbergturm
Kupferberg, 01558 Großenhain

Der Turm auf dem Kupferberg wurde in Form einer künst­li­chen Ruine 1894 vom Verschönerungsverein der Stadt Großenhain erbaut. Im Herbst 1928 wurde die heute noch bestehende Schankwirtschaft eröff­net, die an das frü­here Wärterhaus ange­baut wor­den war. Bis zu den 1930er Jahren konn­ten Besucher vom Turm aus eine gute Fernsicht genie­ßen. Aufgrund des zuneh­men­den Baumwuchses wurde eine Erhöhung des Turmes um zehn Meter not­wen­dig. Zu DDR-​Zeiten war der Turm gesperrt, da offen­bar ein sowje­ti­scher Flugplatz zu gut ein­ge­se­hen wer­den konnte. Der Kupferbergturm bie­tet heute Ausblicksmöglichkeiten von meh­re­ren Turmebenen.

Mausoleum
Schloss Hohenwendel, 09518 Großrückerswalde OT Streckewalde

Die impo­sante, aus meh­re­ren Teilen bestehende künst­li­che Ruine im Park von Schloss Hohenwendel wurde bis 1916 unter Arthur Schmidt, Besitzer des Schlosses und Kommerzienrat, wei­ter aus­ge­baut. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Ursprünge der Ruinenanlage in der zwei­ten Hälfte des 18. Jahrhunderts lagen, als die Ruinenbaukunst Einzug in die Landschaftsgestaltung gehal­ten hatte. Die Ruine ist heute als Ausflugsziel in das ört­li­che Wanderwegenetz integriert.

Raubschloss Ringethal
Burg Lewenhain, 09648 Mittweida OT Ringethal

Die Burg Lewenhain ist der Nachfolgebau der Wallburg Einsiedelei, die um 1315 eben­falls als Höhenburg errich­tet wurde. Erhalten sind noch deut­lich erkenn­bare Wall- und Grabenreste. Die Burg wurde spä­tes­tens um 1450 auf­ge­ge­ben, als die dama­li­gen Besitzer ihren Wohnsitz ins Tal ver­leg­ten und dort eine Wasserburg, das Schloss Ringethal, erbauen lie­ßen. 1804 wurde auf dem Gelände der Burg Lewenhain eine künst­li­che Ruine errich­tet. Sie ist heute über­wie­gend unter dem Namen Raubschloss Ringethal bekannt.

Ritterburg
Schlosspark Machern, 04827 Machern

Seit 1430 befand sich Schloss Machern im Besitz der Grafen von Lindenau, wel­che 1795 ⁄ 1796 den Bau der Ritterburg ver­an­lass­ten. Die Ritterburg gilt als eine der größ­ten künst­li­chen Ruinen in Sachsen. Genutzt wurde die künst­li­che Ritterburg damals als Privatmuseum. Kurze Zeit spä­ter wurde der Park um eine wei­tere künst­li­che Ruine ergänzt. 1950 erlitt die Ritterburg Brandschäden. Die bereits 1988 begon­nene Sanierung der Burgruine konnte erst 1995 abge­schlos­sen werden.

Turmruine Schreckenberg
Schreckenberg, 09456 Annaberg-Buchholz

Auf dem Schreckenberg wurde zwi­schen 1854 und 1856 die künst­li­che Ruine eines Turms mit Mauerresten geschaf­fen. Auftraggeber war Carl Friedrich Reiche-​Eisenstuck. Finanziert wurde der Bau über­wie­gend aus Privatmitteln ver­mö­gen­der Einwohner. Die Turmruine dient heute als Ausflugsziel und Aussichtspunkt. Sie befin­det sich in einem bemer­kens­wert guten Zustand.


 

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Last Updated on 7. Februar 2024 by Sachsens Schlösser

Veröffentlicht in Scriptorium.