Dresden: Belvedere I, II, III und IV

23. Februar 2021 Aus Von Schlossherrin

Belvedere I, II, III und IV
Brühlsche Terrasse
01067 Dresden

Historisches
Zwischen 1590 und 1945 be­stan­den nach­ein­an­der vier kleine Lustschlösser auf der Brühlschen Terrasse in Dresden.

Erstes Belvedere (1590–1747)
Das erste Belvedere wurde ab 1590 nach Plänen von Giovanni Maria Nosseni auf der Jungfernbastei im Renaissancestil er­rich­tet. Der Bau ori­en­tierte sich am Belvedere der Königin Anna auf der Prager Burg und wurde erst nach sech­zig Jahren voll­endet. Das Belvedere diente hö­fi­schen Vergnügungen. Im als “Vulkanshöhlen” be­zeich­ne­ten Untergeschoss be­fand sich das Labor von Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, de­nen dort 1707 die Erfindung des eu­ro­päi­schen Hartporzellans ge­lang. Ende Dezember 1747 kam es zu ei­nem Blitzeinschlag. Das un­ter dem Belvedere be­find­li­che Pulvermagazin ge­riet in Brand. Durch die Explosion wurde das Belvedere zerstört.

Zweites Belvedere (1749–1759)
Das zweite Belvedere wurde von 1749 bis 1753 im Auftrag von Heinrich Graf von Brühl an glei­cher Stelle durch Johann Christoph Knöffel im Rokokostil er­rich­tet und zählte zu den so­ge­nann­ten Brühlschen Herrlichkeiten. Heinrich Graf von Brühl hatte die­ses Grundstück im Jahr zu­vor von August dem Starken über­eig­net be­kom­men. Die Festungsanlage hatte zu die­ser Zeit be­reits viel von ih­rer mi­li­tä­ri­schen Bedeutung ver­lo­ren. Während des Siebenjährigen Krieges wurde das Belvedere 1759 auf Befehl des Preußenkönigs Friedrich II. zer­stört. Erhalten blie­ben zwei Steinsphinxe und der Delphinbrunnen.

Drittes Belvedere (1814–1842)
Die Ruine des zwei­ten Belvedere blieb bis 1814 als Erinnerung an den Siebenjährigen Krieg ste­hen. Danach wurde das dritte Belvedere im Auftrag des Fürsten Nikolai Grigorjewitsch Repnin-​Wolkonski un­ter dem Architekten Christian Friedrich Schuricht im klas­si­zis­ti­schen Stil er­rich­tet. Das Belvedere diente als Gaststätte und wurde be­reits 1842 wie­der ab­ge­ris­sen. Der Fürst selbst re­si­dierte im Palais Brühl.

Viertes Belvedere (1842–1945)
Das vierte Belvedere wurde 1842 nach Plänen von Otto von Wolframsdorf er­rich­tet. Optisch griff es die ita­lie­ni­sche Renaissance auf und äh­nelte im Grundriss dem ers­ten Opernhaus von Gottfried Semper. Das Belvedere be­saß zwei Festsäle, meh­rere Gesellschaftszimmer und eine Aussichtsgalerie. Es wurde gas­tro­no­misch ge­nutzt und 1945 bei den Bombardierungen zerstört.

Heutige Nutzung
Erhalten sind der Delphinbrunnen und zwei Sandsteinsphinxe, die vom zwei­ten Belvedere stam­men. Seit 2008 gibt es Bestrebungen ein neues, dann fünf­tes Belvedere zu er­rich­ten. Bis heute wurde der Bau nicht begonnen.