Frohburg: Rittergut Sahlis

20. Oktober 2012 Aus Von Schlossherrin

Rittergut Sahlis
Am Sahliser Gut
04655 Frohburg OT Sahlis

Historisches

Das Rittergut Sahlis war ur­sprüng­lich ein Vorwerk der Burg Kohren und ge­hörte ab dem 15. Jahrhundert in den Herrschaftsbereich der Burg Gnandstein.

Sahlis wurde be­reits 1350 als Herrensitz  und 1388 als Ritterlehn auf­ge­führt. Die frü­heste Erwähnung als Vorwerk der Burg Kohren er­folgte 1398, als sie an den Burgmann Hans von Lanse ver­lie­hen wurde. Nach des­sen Tod 1428 ging das Vorwerk Sahlis als Lehen an die Brüder Balthasar und Melchior von Meckau über. Weitere Lehensnehmer wa­ren ab 1448 Helfreich von Meckau, ab 1451 Georg von Meckau und nur drei Jahre dar­auf an Hildebrand von Einsiedel, wel­cher das Rittergut Sahlis grün­dete. Unter sei­nem Sohn Heinrich von Einsiedel konn­ten die Familienbesitzungen ver­grö­ßert wer­den. 1596 fiel das Herrenhaus ei­nem Brandanschlag zum Opfer.

1602 ver­kaufte Georg Heinrich von Einsiedel das Rittergut Sahlis an sei­nen Schwager Wolf Löser. Dieser ließ die Brandruine des Herrenhauses wie­der auf­bauen und den Löser-​Turm er­rich­ten. Auch das Lusthaus au­ßer­halb des heu­ti­gen Guts- und Parkareals ent­stand un­ter Wolf Löser. Bis 1700 ver­blieb das Sahliser Rittergut im Besitz der Familie Löser. 1632 wurde das Herrenhaus bei den Kämpfen wäh­rend des Dreißigjährigen Krieges er­neut zer­stört. Den Wiederaufbau über­nahm Curt von Löser, der seit 1644 Besitzer war und an der Nordseite des Herrenhauses ei­nen Anbau hinzufügte.

Unter Hans II.  Löser wurde das Lusthaus 1683 wie­der­holt er­neu­ert. In diese Zeit dürfte die Anlage des Löserschen Gartens fal­len. Des Weiteren er­folg­ten un­ter ihm eine um­fas­sende Umgestaltung des Herrenhauses und die Anlage des Totenberges für sich, seine Frau und ihre 13 Kinder. Aus der Löser-​Turm er­hielt un­ter Hans II. Löser zwi­schen 1682 und 1690 seine end­gül­tige Form. Hohe Schulden zwan­gen Hans II. Löser im Jahre 1700, sei­nen Sahliser Grundbesitz an den Dompropst Johann Friedrich von Eckhardt zu ver­kau­fen. Dieser ließ of­fen­bar den Totenhügel zerstören.

1730 er­warb Kurt Abraham von Einsiedel das Rittergut Sahlis. Nach sei­nem Tod erbte es sein Sohn Hanns Abraham von Einsiedel. Er ver­kaufte das Rittergut 1754 an den Textilhändler George Leberecht Crusius. Er be­hielt das Rittergut Sahlis stolze 51 Jahre in sei­nem Besitz und ließ zwei Jahre nach dem Erwerb um­fas­sende Erneuerungsarbeiten im Barockstil an der Gutsanlage vor­neh­men. Außerdem ließ er die Wirtschaftsgebäude er­rich­ten und ab 1771 den Rokokopark anlegen.

Als der kin­der­lose George Leberecht Crusius 1805 starb, erbte Friedrich Siegmund Leberecht Crusius den Gutsbesitz. Allerdings ver­starb auch er noch im glei­chen Jahr. Sein Vater Siegfried Leberecht Crusius, ein da­mals an­ge­se­he­ner Leipziger Verleger, über­nahm das Rittergut. Ab 1809 ließ er die gro­ßen Kreuzgewölbeställe er­rich­ten. Im Folgejahr kaufte er das be­nach­barte Rittergut Rüdigsdorf dazu.

Nach sei­nem Tod 1824 erbte sein Sohn Heinrich Wilhelm Leberecht Crusius das Rittergut. Unter die­sem wur­den die Wirtschaftsgebäude er­neu­ert und zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Musterbetrieb ent­wi­ckelt. 1856 ließ er das Herrenhaus im Tudorstil um­ge­stal­ten und den Park ver­grö­ßern. Friedrich Leberecht über­nahm den Besitz 1858. Nach sei­nem Tod 1861 wurde das Gut von ei­nem Inspektor ver­wal­tet da sein er­ben­der Sohn Heinrich Wilhelm Leberecht Crusius zu die­sem Zeitpunkt erst ein Jahr alt war. Er trat sein Erbe schließ­lich 1888 an und nahm er­neut eine Umgestaltung des Herrenhauses vor. 1891 wurde un­ter sei­ner Federführung mit dem Bau der Orangerie be­gon­nen, der im fol­gen­den Jahr be­en­det wer­den konnte. Auch die Kegelbahn und die bei­den Pavillons ent­stan­den un­ter ihm.

Nach sei­nem Tod hei­ra­tete seine Witwe Anna Maria Elisabeth 1902 Börries Freiherr von Münchhausen. Sie über­nahm zu­dem die Verwaltung des Erbes für ih­ren noch min­der­jäh­ri­gen Sohn Siegfried Leberecht Heinrich Crusius. Börries Freiherr von Münchhausen ließ von 1905 bis 1906 das Herrenhaus um ei­nen Flügel er­wei­tern und mit ei­ner neo­ba­ro­cken Fassade aus­stat­ten. Siegfried Leberecht Heinrich Crusius wurde schließ­lich 1916 Gutsbesitzer von Sahlis.

Nach 1945

Siegfried Leberecht Heinrich Crusius  blieb bis 1945 Eigentümer des Rittergutes Sahlis und wurde im Rahmen der Bodenreform ent­eig­net und ver­trie­ben. Im Herrenhaus wur­den 1945 Notwohnungen ein­ge­rich­tet, nach der Umwandlung in ein volks­ei­ge­nes Gut 1949 diente es als Lehrlingswohnheim. Bis Ende der 1980er Jahre küm­merte sich der Kulturbund Parkaktiv um den Erhalt des Parks.

Nachwendezeit

Um 1990 über­nahm die Treuhand das mehr und mehr ver­fal­lende Rittergut. Ein Verkauf im Jahre 2000 an pri­vat wurde rück­ab­ge­wi­ckelt, bis das Rittergut Sahlis 2004 er­neut ver­äu­ßert wurde und sich nun­mehr im Besitz ei­nes Privatmanns, Gründer ei­ner Wehrsportgruppe, be­fand. Unter die­sem Eigentümer wur­den die Fassade er­neu­ert und meh­rere wert­erhal­tende Baumaßnahmen durch­ge­führt. Im Januar 2016 wurde das Rittergut Sahlis zwangs­ver­stei­gert, weil of­fen­bar er­hal­tene Fördermittel nicht zweck­ge­bun­den zur Sanierung ein­ge­setzt wor­den waren.

Der neue ost­eu­ro­päi­sche Eigentümer machte auf sich auf­merk­sam, in­dem er ver­kün­dete, auf dem Rittergut ein Konzentrationslager er­rich­ten zu wol­len. Der Verkauf im Rahmen der Versteigerung wurde den­noch nicht be­an­stan­det. Jedoch zahlte der neue Eigentümer den Kaufpreis nicht, au­ßer­dem kur­sierte ein zwei­fel­haf­tes Verkaufsangebot zum vier­fa­chen Preis in den fol­gen­den Monaten.

Eine er­neute Zwangsversteigerung brachte 2018 ei­nen neuen Eigentümer, wel­cher vor den zu in­ves­tie­ren­den Kosten ka­pi­tu­lierte und das Rittergut Sahlis sei­ner­seits wie­der verkaufte.

Heutige Nutzung

Das Rittergut Sahlis be­fin­det sich seit September 2020 im Besitz des ak­tu­el­len Eigentümers. Dieser strebt eine um­fas­sende Wiederherstellung und Nutzung des Ritterguts in­klu­sive des Parks an. Der ehe­ma­lige Totenberg ist heute ein über­wach­se­ner Hügel.
(Stand: Mai 2021)