Pirna: Schloss Zuschendorf

27. Oktober 2012 Aus Von Schlossherrin

Schloss Zuschendorf
Am Landschloss 6
01796 Pirna

Historisches

Das Landschloss Zuschendorf geht ver­mut­lich auf eine im 11. Jahrhundert er­rich­tete Burg zu­rück. Da ent­spre­chende Nachweise je­doch nicht vor­han­den sind, kann auch nur dar­über spe­ku­liert wer­den, dass die Burg Zuschendorf einst den Herren von Donin unterstand.

Die erste Urkunde als Nachweis über den Herrensitz Zuschendorf stammt aus dem Jahr 1403, als die Witwe Kunigund von Carlowitz mit dem Grundbesitz be­lehnt wurde. Ihr ver­stor­be­ner Mann Otto soll sich als Vasall im Dienste der Burgherren von Dohna be­fun­den ha­ben und wäh­rend der Dohnaischen Fehden um­ge­kom­men sein. Bis 1695 be­fand sich das Rittergut Zuschendorf im Besitz der weit­ver­zweig­ten Familie von Carlowitz. Unter Hans II. von Carlowitz wurde die Burg 1553 zum Schloss um­ge­baut. Die Kirche wurde 1560 er­baut und er­hielt ei­nen di­rek­ten Zugang zum Schloss. Zu ei­ner ers­ten Zerstörung des Schlosses kam es wäh­rend des Dreißigjährigen Krieges, der Wiederaufbau bis 1665 stand of­fen­bar im Zusammenhang mit ei­nem Konkurs.

Nachdem die Herrschaft der Familie von Carlowitz auf Schloss Zuschendorf 1695 en­dete, wurde das Rittergut ein freies Erbgut und die Besitzer wech­sel­ten oft. Von 1730 bis 1739 be­fan­den sich Schloss und Rittergut im Besitz von Dr. Johann Stöckel, un­ter dem Umgestaltungen im Barockstil so­wie die Anlage des Lustgartens erfolgten.

Der Rittmeister von Bünau be­saß das Rittergut Zuschendorf von 1739 bis 1758. Im Siebenjährigen Krieg er­litt Schloss Zuschendorf er­neut Beschädigungen, zu Beginn des 19. Jahrhundert, als es sich im Besitz von Dr. Johann Christian Böhme be­fand, wurde es wäh­rend des Napoleonischen Krieges wie­der­holt ge­plün­dert und zer­stört. Bis 1826 ge­hörte Schloss Zuschendorf Dr. Wilhelm Anton Dittmar.

Dr. Karl Heinrich Schulz er­warb Schloss Zuschendorf 1832 und be­hielt es zehn Jahre. In die­ser Zeit brachte er die Landwirtschaft des Ritterguts sehr vor­bild­lich in Ordnung und ver­fasste dar­über ein Buch. Seine Tochter hei­ra­tete 1861 August Richard Hedenus, der ei­nen aus­schwei­fen­den Lebensstil führte, was den Verkauf des Schlosses 1878 not­ge­drun­gen zur Folge hatte. Nächster Besitzer wurde Christian Alexander Steiger, ihm folgte 1882 der Hauptmann Clemens Oskar Xaver von Lentz. Er ließ die Wagenremisen mit Scheune so­wie eine Freitreppe er­bauen und ei­nen Schlossflügel er­wei­tern. Um 1894 ließ er ei­nes der his­to­ri­schen Gewächshäuser er­rich­ten. Ulrich von Lentz ver­kaufte den Zuschendorfer Besitz an die Landessiedlung “Sächsisches Heim”. Durch Ausgliederungen wurde der Besitz ver­klei­nert und 1927 von dem Königlich-​Sächsischen Hauptmann Guido Schuster erworben.

Nach 1945

Im Mai 1945 be­setzte die Rote Armee Zuschendorf, kurz dar­auf be­ging die Familie Schuster als Eigentümer des Schlosses Suizid. Bis Ende 1945 wurde das Rittergut als Versorgungsgut durch die Rote Armee ge­nutzt. Im Januar 1946 wur­den die Ländereien und Ställe an Neubauern auf­ge­teilt. Das Schloss wurde Eigentum der Stadt Pirna und der Park in Kleingärten umgewandelt.

Ab 1947 be­gan­nen Abbrucharbeiten im Bereich des Wirtschaftshofes, wo­bei die Neubauern da­durch ei­ge­nes Baumaterial ge­wan­nen. Der Abriss des Schlosses war ge­plant, konnte aber ver­hin­dert wer­den. Lediglich der er­wei­terte Flügel wurde rück­ge­baut. Dadurch ent­stand ein Neubauernhaus, wel­ches über Reste der mit­tel­al­ter­li­chen Burg verfügt.

Die Bausubstanz des Schlosses ver­fiel zu­neh­mend. Ein Nutzungsvorschlag als Altersheim wurde nicht rea­li­siert. Nachfolgend ging das Schloss an die VEB Gebäudewirtschaft Pirna über. Schloss Zuschendorf wurde in der Folgezeit un­ter an­de­rem als Kindergarten, Lagerstätte, Abdeckerei und von ei­nem Sargmacher ge­nutzt. 1968 wurde Schloss Zuschendorf von ei­ner rus­si­schen Nachrichteneinheit be­setzt. In den 1980er Jahren war der Zustand von Schloss Zuschendorf der­art ka­ta­stro­phal, dass er­neut ein Komplettabriss be­fürch­tet wurde. Ende 1988 er­warb das VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden as Schloss. Die völ­lig ma­rode Schlossanlage wurde ab 1989 auf­wän­dig re­kon­stru­iert und saniert.

Nachwendezeit

Die um­fang­rei­chen Sanierungsarbeiten wur­den in der Nachwendezeit fort­ge­setzt. Dies war auch durch die Unterstützung durch ABM-​Kräfte und Fördermittel mög­lich ge­wor­den. Die äu­ßere Sanierung konnte 1998 ab­ge­schlos­sen wer­den. Der Festsaal wurde 2002 fei­er­lich er­öff­net. Auch in den Folgejahren wur­den die Sanierungsarbeiten fortgeführt.

Heutige Nutzung

Neben den Botanischen Sammlungen fin­den im Schloss Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Die Parkanlage ver­fügt über ei­nen Teich und Bonsaigarten so­wie über meh­rere his­to­ri­sche Gewächshäuser. Schloss Zuschendorf ist weit­hin auch als Kamelienschloss be­kannt. Jährlich fin­den die Kamelienblütenschau, die Azaleenschau und die Hortensienschau statt.

Link zum Schloss: Kamelienschloss