Schirgiswalde-​Kirschau: Rittergut Halbendorf

Rittergut Halbendorf

Am Rittergut 2
02681 Schirgiswalde-​Kirschau OT Halbendorf

Historisches

Halbendorf wurde im Jahr 1460 erst­mals urkund­lich erwähnt. Der Ort gehörte lange Zeit zum Besitz des Bautzener Domstifts, das ver­schie­dene Adlige mit dem Gut belehnte. Das Rittergut selbst ist seit 1572 nachweisbar.

Von etwa 1600 bis 1676 befand sich das Rittergut im Besitz der Familie von Rechenberg. Nach dem Tod bezie­hungs­weise dem Ausscheiden der dama­li­gen Besitzer wur­den die Güter unter deren Nachkommen getrennt. Zu den nach­fol­gen­den Besitzern Halbendorfs gehör­ten Peter Rudolph von Pentzig und Johann Friedrich von Folkersam. Anschließend kam das Gut an die Familie von Nostitz. Carl Gottlob von Nostitz starb 1707; sein Sohn Karl Gottlob über­nahm den Besitz. Auf ihn folg­ten wei­tere Angehörige der Familie, dar­un­ter Karl Heinrich von Nostitz und Wolf Ernst von Nostitz, der 1792 verstarb.

Im 19. Jahrhundert wech­selte das Rittergut erneut mehr­fach den Besitzer. Nach Carl Gottlob von Nostitz, der 1833 starb, gehörte es unter ande­rem Herrn Steinel, einer Frau von Rothmaler, Johann Traugott Katzer und Johann Gottlieb Böhme. Dessen Kinder hiel­ten das Rittergutslehen zeit­weise gemein­sam. 1859 wird ein Herr Beichel als Besitzer genannt.

Das Rittergut war ein land­wirt­schaft­li­cher Betrieb mitt­le­rer Größe. Neben dem herr­schaft­li­chen Wohnhaus gehör­ten Wirtschaftsgebäude zum Anwesen. Überliefert sind außer­dem eine Brauerei und eine Ziegelei, die zur wirt­schaft­li­chen Ausstattung des Gutes beitrugen.

Die Schlossvilla von 1905

Das heute erhal­tene, schloss­ar­tig gestal­tete Wohnhaus ent­stand um 1905 unter dem Hofrat Raimund Friedrich Sachse. Es wird häu­fig als Schloss oder Schlossvilla bezeich­net, ist jedoch vom ursprüng­li­chen Herrenhaus des Rittergutes zu unter­schei­den. Der reprä­sen­ta­tive Bau besitzt unter ande­rem einen mar­kan­ten Eckturm. Die neo­ba­ro­cke Fassadengestaltung, das Mansarddach und ein­zelne Jugendstilelemente ver­lei­hen dem Gebäude sein cha­rak­te­ris­ti­sches Erscheinungsbild. Eine Freitreppe führt zum Eingang; auch ein klei­nes höl­zer­nes Eingangshäuschen gehört zur Anlage.

Nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Rittergut geplün­dert. Die Besitzer wur­den im Zuge der Bodenreform ent­eig­net, die land­wirt­schaft­li­chen Flächen auf­ge­teilt und für Neubauernstellen sowie spä­ter teil­weise als Kleingärten genutzt. Die Schlossvilla erhielt eine neue öffent­li­che Funktion und wurde in der DDR als Kindergarten und Hort genutzt.

Das ältere, eigent­li­che Herrenhaus des Rittergutes blieb dage­gen nicht erhal­ten: Es wurde 1978 abge­ris­sen. Die Wirtschaftsgebäude und der ehe­ma­lige Gutspark blie­ben als wei­tere Bestandteile des his­to­ri­schen Ensembles bestehen, ver­fie­len jedoch im Laufe der Zeit zunehmend.

Heutige Nutzung

Die Schlossvilla steht unter Denkmalschutz. Zum denk­mal­ge­schütz­ten Ensemble gehört auch der ehe­ma­lige Gutspark mit altem Baumbestand und Rhododendren. Die Fassade der Schlossvilla wurde 2026 erneu­ert und prä­sen­tiert sich inzwi­schen wie­der in einem gepfleg­te­ren Zustand.

Die Nebengebäude des ehe­ma­li­gen Rittergutes befan­den sich zuletzt in einem deut­lich schlech­te­ren Zustand. Über deren wei­tere Sanierung und eine mög­li­che neue Nutzung lie­gen der­zeit keine gesi­cher­ten Informationen vor.

(Stand & Fotos: Oktober 2026)

Last Updated on 29. Oktober 2026 by Sachsens Schlösser

Veröffentlicht in Landkreis Bautzen.