Stollberg: Schloss Hoheneck

25. September 2012 Aus Von Schlossherrin

Schloss Hoheneck
An der Stalburg 6
09366 Stollberg

Historisches

Schloss Hoheneck wurde 1244 erst­mals un­ter Hugo von Staleburgk ur­kund­lich er­wähnt und ver­mut­lich um 1200 als mit­tel­al­ter­li­che Grenzfeste Stal(e)burc er­baut. Erkenbert IV. von Tegkwitz, Burggraf von Staleburgk, nannte die Burg 1278 sein Eigen. Die Herren von Schönburg über­nah­men das Gebiet um 1300 und ver­kauf­ten es 1367 an den König Karl IV. von Böhmen. 1459 ging die Staleburg als böh­mi­sches Lehen an Sachsen über. 1473 er­warb Dietrich IV. von Schönberg, sei­ner­zeit Bischof von Meißen, zu­sam­men mit sei­nen Neffen Heinrich und Caspar von Schönberg die Burg und die Herrschaft Stollberg.

1564 kaufte Kurfürst August I. das Schloss, wel­ches im 16. Jahrhundert auf den Grundmauern der Staleburg er­rich­tet wor­den war, und funk­tio­nierte es zum Jagdschloss um. Schon drei Jahre spä­ter ver­lor der Kurfürst das Interesse an sei­nem Jagdschloss in Stollberg und wandte sich dem Bau des Jagdschlosses Augustusburg zu. 1602 wurde das Jagdschloss Stollberg durch ei­nen Brand zer­stört. Zwischen 1606 und 1609 wurde das neue Amtshaus im vor­de­ren Teil des Schlosses er­rich­tet. Eine er­neute Zerstörung er­fuhr das Schloss Stollberg im Dreißigjährigen Krieg zwi­schen 1618 und 1648.

Im 17. Jahrhundert wurde das Schloss als Untersuchungsgefängnis ge­nutzt. Dazu wurde ein neuer Bergfried er­rich­tet, der heu­tige Uhrenturm. Durch den Standort des Bergfrieds im Hohen Eck ent­stand der Name Hoheneck. Erstmals tauchte der Name Hoheneck 1704 als amt­li­che Bezeichnung auf, zwei Jahre spä­ter wurde er als Bezeichnung für das Schloss ein­ge­führt. Das neue Amtshaus ent­stand 1812. Das 1815 wie­der auf­ge­baute Schloss be­her­bergte bis 1856 das Rentamt und das Justizamt Stollberg.

1862 wurde das Schloss Hoheneck ab­ge­tra­gen und an glei­cher Stelle eine Königlich-​sächsische Weiberzuchtanstalt er­öff­net. Das heu­tige Gebäudeensemble hat so­mit nichts mit dem frü­he­ren Schloss zu tun und der Name Schloss Hoheneck wird im Prinzip fälsch­li­cher­weise für den Nachfolgebau verwendet.

1886 wur­den die in­haf­tier­ten Frauen ins Zuchthaus Waldheim ver­legt, da­mit Hoheneck um­fang­rei­chen Erweiterungsbauten un­ter­zo­gen wer­den konnte. Nunmehr konn­ten auch Männer in Hoheneck in­haf­tiert wer­den. In Zeiten der bei­den Weltkriege diente es vor­über­ge­hend auch als Reservelazarett. Der Westflügel und die Hälfte des Nordflügels der Haftanstalt Hoheneck ent­stan­den ab 1862. Der Südflügel, der Ostflügel und die an­dere Hälfte des Nordflügels so­wie die vor­ge­la­ger­ten Wirtschaftsgebäude wur­den zwi­schen 1885 und 1888 aus Erweiterungsbauten ausgeführt.

Nebengebäude und bauliche Anlagen

Wirtschaftsgebäude der Anlage be­fin­den sich so­wohl in­ner­halb der Umfassungsmauern als auch au­ßer­halb. Innerhalb der Mauern ste­hen die zwi­schen 1885 und 1888 er­rich­te­ten Wirtschaftsgebäude, die als Wäscherei und Krankenstation ge­nutzt wur­den. Außerhalb der Mauern be­fin­den sich das Pförtnergebäude, das Beamtenwohnhaus so­wie das Wachgebäude, die al­le­samt aus dem 20. Jahrhundert stam­men. Das Pförtnergebäude wurde 1964 er­baut, das Beamtenwohnhaus 1928 und das Wachgebäude 1930. Letzteres er­hielt nach 1990 zwei große Metalltore und Nato-​Stacheldraht im Eingangsbereich.

Ehemalige Gebäude des Komplexes wa­ren das 1955 er­baute Kulturhaus, das um 1850 ent­stan­dene und 2012 ab­ge­ris­sene Wohn-​Wirtschaftsgebäude, wel­ches ein bau­li­cher Überrest der Schlossanlage von vor 1862 war, so­wie ein Freibad, das vor 2015 ab­ge­bro­chen wurde und nur noch in Resten vor­han­den ist.

Die Umfassungsmauer ist 415 Meter lang und zwi­schen 4 und 7 Meter hoch. Sie be­steht aus Ziegelsteinen, die mit Glasscherben ver­setzt ist. Im Westen und Norden be­fin­den sich zwei Wachtürme, die im 20. Jahrhundert er­baut wor­den waren.

Nach 1945

Zu DDR-​Zeiten wurde der Nachfolgebau von Schloss Hoheneck als Frauengefängnis ge­nutzt und er­langte durch die un­mensch­li­chen Haftbedingungen sei­nen berühmt-​berüchtigten Ruf. Die ers­ten Insassinnen wur­den aus den Speziallagern Bautzen und Sachsenhausen nach Hoheneck ver­legt. Das für 600 Gefangene aus­ge­legte Gefängnis war zu die­sem Zeitpunkt mit über 1.100 Insassinnen voll­kom­men über­be­legt. In Hoheneck sa­ßen vor al­lem aus po­li­ti­schen Gründen in­haf­tierte so­wie straf­fäl­lig ge­wor­dene Frauen ein. Nach dem Fall der Mauer er­folgte im November 1989 eine Amnestie für die letz­ten po­li­ti­schen Häftlinge der DDR.

Nachwendezeit

Im April 2001 wurde das Gefängnis ge­schlos­sen, wel­ches nach 1990 als ein­zi­ges Frauengefängnis in Sachsen wei­ter­ge­nutzt wor­den war und ab 1994 auch männ­li­che Strafgefangene auf­ge­nom­men hatte. Der Freistaat ver­kaufte Schloss Hoheneck Mitte 2003 an ei­nen pri­va­ten Investor. Die ge­plante Umnutzung zu ei­nem Freizeit- und Erholungskomplex schei­terte ei­ner­seits am Widerstand von Opferverbänden, an­de­rer­seits tra­ten wirt­schaft­li­che Schwierigkeiten auf. Im Jahr 2014 er­warb die Stadt Stollberg das Schloss zurück.

Heutige Nutzung

Auf Voranmeldung fin­den Führungen statt. Das ge­samte Gelände um­fasste ur­sprüng­lich an die 25 Gebäude, von de­nen zu Beginn des Jahres 2012 ei­nige ab­ge­tra­gen wur­den. Archäologische Grabungsarbeiten, bei de­nen un­ter an­de­rem Mauern aus dem 17. Jahrhundert wie­der­ent­deckt wur­den, dau­ern fort. Das künf­tige Konzept sieht eine räum­lich ge­trennte Nutzung als Gedenkstätte, Freizeitreff und Begegnungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeiten vor. Das Konzept soll in Zusammenarbeit von Eigentümer, Stadt und Opferverein um­ge­setzt werden.

2015 wurde eine Gedenkstätte mit ori­gi­nal er­hal­te­nem Zellentrakt im Südflügel ein­ge­rich­tet, 2017 er­öff­nete die in­ter­ak­tive Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ im Nordflügel von Schloss Hoheneck. Weitere Pläne se­hen im Westflügel eine Gedenkstätte zur his­to­ri­schen Einordnung des SED-​Unrechts und zur Würdigung der Opfer vor.

Bodendenkmalschutz

Die äl­tes­ten Teile der eins­ti­gen Höhenburg wur­den Mitte 1970 un­ter Bodendenkmalschutz gestellt.
(Fotos: Oktober 2022)