Schloss Niedertaubenheim
Sohlander Straße 83
02689 Sohland a. d. Spree OT Taubenheim
Historisches
Taubenheim wurde 1345 erstmals als Herrensitz unter Jutta de Tubinheym erwähnt. 1439 ist ein Rittersitz belegt, seit 1562 wird der Besitz als Rittergut bezeichnet. Ursprünglich bestand in Taubenheim nur ein Rittergut, das im Laufe seiner Geschichte mehrfach geteilt und wieder vereinigt wurde. 1875 entstanden schließlich die beiden selbstständigen Rittergüter Nieder- und Obertaubenheim.
Das Rittergut Niedertaubenheim befand sich von 1730 bis 1845 im Besitz der Familie von Zezschwitz. 1845 erwarb Johann Christian Adler das Gut. Später gelangte es an Wolf Adolph Gottlob von Nostitz und Jänckendorf. Für dessen Witwe Marie von Nostitz und Jänckendorf wurde 1890 das heutige Schloss errichtet. Bereits drei Jahre zuvor war das Rittergut wieder in zwei eigenständige Güter geteilt worden.
Das heutige Schloss ist ein vergleichsweise schlichtes Gebäude. Die ursprüngliche Anlage von 1890 wurde 1912 durch Erweiterungen ergänzt. Dabei entstand unter anderem der markante Turmanbau mit Wendeltreppe. Der Nebenflügel weist eine aufwendigere Fachwerkgliederung auf. Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören neben dem Schloss auch die historische Kutschauffahrt, Reste der Einfriedung und der Park. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht ein 1778 datierter Obelisk für Hans Heinrich von Zezschwitz. Der Denkmalwert des Ensembles wird unter anderem mit seiner bau- und ortsgeschichtlichen Bedeutung sowie mit der Verbindung Taubenheims zu Herrnhut begründet.
Die Geschichte des Rittergutes reicht damit deutlich weiter zurück als das heutige Schloss. Der repräsentative Bau von 1890 war vielmehr der letzte größere Ausdruck einer jahrhundertealten Gutsgeschichte, die bereits im Mittelalter mit dem Herrensitz in Taubenheim begonnen hatte.
Nach 1945
Mit der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Rittergut Niedertaubenheim enteignet. Als letzter Besitzer wird in einer lokalen historischen Darstellung die Familie von Schlieben genannt. Nach der Enteignung diente das Schloss als Wohnraum, insbesondere zur Unterbringung von Umsiedlern. Auch während der DDR-Zeit wurde das Gebäude weiterhin zu Wohnzwecken genutzt. Damit blieb das Schloss im Gegensatz zu zahlreichen anderen ehemaligen Rittergütern der Region zumindest teilweise bewohnt und wurde nicht einer größeren öffentlichen Nutzung zugeführt.
Nachwendezeit
Nach 1990 erfolgten am Schloss einige Sanierungsarbeiten. Eine grundlegende Instandsetzung blieb jedoch aus. Das Gebäude und der dazugehörige Park blieben in privater Hand.
In den vergangenen Jahren hat sich jedoch eine neue Perspektive für das Gebäude ergeben. Im August 2025 wurde die gemeinnützige Gesellschaft „Niederes Schloss Taubenheim – Zentrum für Bildung, Integration & Begegnung“ gegründet. Als Gesellschaftszweck werden unter anderem Bildungsangebote, Integrationsarbeit, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten genannt. Die geplante Verwirklichung dieser Aktivitäten ist ausdrücklich mit der Nutzung und Sanierung des denkmalgeschützten Schlosses verbunden.
Heutige Nutzung
Das Schloss steht derzeit leer. Eine erkennbare Nutzung des Gebäudes ist nicht festzustellen. Der Bau befindet sich weiterhin in unsaniertem Zustand, wirkt von außen jedoch vergleichsweise ordentlich und nicht akut verfallen. Das Schloss und der zugehörige Park stehen unter Denkmalschutz. Trotz der bislang ausgebliebenen umfassenden Sanierung ist das Gebäude mit seinen Erweiterungen von 1890 und 1912 sowie den erhaltenen Elementen der historischen Gutsanlage ein anschauliches Zeugnis des ehemaligen Rittergutes Niedertaubenheim.
Nach Angaben der Gemeinde wird das Niedere Schloss mit seinem Park als private Anlage geführt. Gleichzeitig besteht mit der gemeinnützigen Gesellschaft erstmals seit längerer Zeit ein konkreter Ansatz für eine zukünftige Nutzung. Ob und wann diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit noch offen.
(Stand & Fotos: September 2026)