Wasserburg & Rittergut Techritz
Grubschützer Straße 11
02692 Doberschau OT Techritz
Historisches
Techritz gehört zu den älteren Siedlungen der Oberlausitz. Der Ort wird 1380 erstmals urkundlich als Decherwicz erwähnt; die Gemeinde verweist sogar auf eine Nennung bereits im Jahr 1241 in der Oberlausitzer Grenzurkunde. Die Geschichte des Rittergutes lässt sich ab dem 15. Jahrhundert nachvollziehen. 1407 wird ein allodium, also ein grundherrschaftlicher Eigenbesitz, erwähnt. Seit 1562 ist Techritz ausdrücklich als Rittergut belegt.
Das Rittergut ging aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervor. Die ehemalige Befestigung lag im südöstlichen Bereich des späteren Gutes am Techritzbach. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Wasserburg durch die Gutsanlage überbaut und dadurch baulich verändert. Reste der mittelalterlichen Anlage sind jedoch weiterhin als Bodendenkmal geschützt.
Im 16. Jahrhundert befand sich das Rittergut im Besitz der Familie von Metzradt. 1560 wird Hans von Metzradt als Besitzer genannt, später folgten sein Sohn beziehungsweise Nachkommen. Nachdem Otto von Metzradt 1661 verstorben war, gelangte Techritz an die alte oberlausitzische Familie von Gersdorff. 1708 wird Friedrich von Gersdorff als Besitzer genannt, 1770 Carl Gottlieb von Gersdorff, der zugleich das Rittergut Glossen besaß.
1788 erwarb Johann Christoph Gotthelf Glöckner das Rittergut. Unter ihm entstand das heutige Herrenhaus. Über dem Eingang befindet sich ein Schlussstein mit der Jahreszahl 1789, die als Baujahr des schlichten zweigeschossigen Gebäudes gilt. Der heutige Eingangsvorbau wurde vermutlich erst um 1910 ergänzt.
Nach Glöckners Zeit wechselten die Besitzer erneut. Um 1805 befand sich Techritz im Besitz eines Grafen von Rüdiger, von dem es der Landesälteste von Schindel erwarb. Später ging das Rittergut an dessen Bruder, den Kammerherrn von Schindel. Im 19. Jahrhundert gehörte es schließlich Moritz von Otto. Er wurde 1806 in den Adelsstand erhoben. Sein Adelsdiplom gilt als das letzte entsprechende Dokument, das noch von einem römisch-deutschen Kaiser unterzeichnet wurde.
Auch die landwirtschaftliche Nutzung des Rittergutes ist historisch überliefert. Das im 19. Jahrhundert beschriebene Gut umfasste rund 240 Acker Land, darunter mehr als 200 Acker Ackerflächen sowie Wiesen, Teiche und Wald. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in Techritz zudem landwirtschaftliche Forschungs- und Versuchsarbeiten durchgeführt. Dazu gehörten Versuche mit Grassamenzucht, Verfahren zur Heutrocknung und zur Bodenstabilisierung.
Ein schwerer Einschnitt für den Ort war der Brand von 1842. Damals wurde fast die Hälfte des aus nur 18 Häusern bestehenden Dorfes zerstört. Das Rittergut selbst blieb als eigenständiger landwirtschaftlicher Komplex bestehen. Für das Jahr 1925 ist Ernst Günther als Besitzer des 136 Hektar großen Rittergutes Techritz verzeichnet.
Nach 1945
Mit der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Rittergut enteignet. Die zugehörigen landwirtschaftlichen Flächen wurden aufgeteilt und die bisherige Gutsstruktur damit aufgelöst. Im Herrenhaus wurden anschließend mehrere Familien untergebracht. Damit endete die jahrhundertelange Funktion des Herrenhauses als Mittelpunkt einer eigenständigen Gutsherrschaft.
Heutige Nutzung
Das ehemalige Herrenhaus befindet sich heute in Privatbesitz und wird zu Wohnzwecken genutzt. Das Gebäude ist jedoch umfassend sanierungsbedürftig. Trotz der Veränderungen und des Sanierungszustandes ist der Bau von 1789 als ehemaliges Herrenhaus des Rittergutes noch deutlich erkennbar.
Von der ursprünglichen Gutsanlage sind weitere Strukturen erhalten. Die Lage des ehemaligen Rittergutes am Techritzbach sowie die umgebenden Teiche erinnern noch an die historische landwirtschaftliche Nutzung des Areals.
Bodendenkmalschutz
Die mittelalterliche Wasserburg im südöstlichen Bereich des ehemaligen Rittergutes steht als Bodendenkmal unter Schutz. Der Schutz wurde bereits 1939 ausgesprochen und Anfang 1959 erneuert. Die Wasserburg wurde im Laufe der Zeit durch die spätere Gutsanlage überbaut und dabei verändert. Die erhaltenen archäologischen Strukturen sind dennoch von besonderer Bedeutung für die Geschichte des Rittergutes und seiner mittelalterlichen Vorgängeranlage.
(Foto: August 2026)