Schloss Crostau
Am Park 4
02681 Schirgiswalde-Kirschau OT Crostau
Historisches
Die Geschichte von Schloss Crostau beginnt nicht mit dem heutigen Bauwerk, sondern mit einer deutlich älteren Befestigung. Bereits im frühen Mittelalter bestand im Ortsteil Niedercrostau eine Wasserburg („Kroste“), die vermutlich dem Schutz regionaler Handelswege diente. Diese Anlage wurde 1352 durch den Oberlausitzer Sechsstädtebund zerstört.
Im Laufe des 15. Jahrhunderts verlagerte sich der Herrensitz aus dem Tal auf eine höher gelegene Position. Dort entwickelte sich schrittweise ein Rittergut mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden.
Mit dem Übergang des Gutes an die Familie von Rechenberg um 1547 begann die eigentliche Schlossgeschichte: In dieser Zeit entstand das Schloss Crostau als repräsentativer Neubau. 1668 gelangte das Anwesen in den Besitz der Familie von Watzdorf. Unter Christoph Heinrich von Watzdorf, der 1719 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, erfolgte ein grundlegender Ausbau der Anlage zu einer Dreiflügelanlage. Ein Einschnitt folgte 1733: Der Graf fiel beim sächsischen Kurfürsten in Ungnade, wurde enteignet und bis zu seinem Tod 1747 inhaftiert.
1770 erwarb Andreas Graf von Riaucour das Rittergut. Er überführte den Besitz in eine Familienstiftung, wodurch die Anlage langfristig im Familienbesitz gesichert wurde. Über seine Tochter ging das Gut 1794 an die Familie Schall über, die fortan den Namen Schall-Riaucour führte.
Im 19. Jahrhundert kam es zu baulichen Veränderungen: 1819 wurde ein Seitenflügel abgebrochen, um 1860 folgten weitere Umbauten, die das Erscheinungsbild des Schlosses erneut veränderten. 1935 schenkte Adam Graf von Schall-Riaucour das Schloss der NS-Volkswohlfahrt. Diese nutzte die Anlage zunächst als Müttergenesungsheim und später als Lazarett.
Nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schloss Crostau in der DDR-Zeit als Krankenhaus genutzt.
Nachwendezeit
1992 ging das Schloss in Privatbesitz über. Geplant war die Einrichtung eines Kurhotels, und erste Sanierungsarbeiten wurden begonnen. Das Projekt scheiterte jedoch bereits 1997, als der Kaufvertrag rückabgewickelt wurde.
Ein schwerer Einschnitt folgte 1999: Ein Brand zerstörte große Teile der Anlage nahezu vollständig. Ab 2001 begann unter einem neuen Eigentümer der umfassende Wiederaufbau des Schlosses.
Heutige Nutzung
Heute befindet sich Schloss Crostau in Privatbesitz und wird zu Wohnzwecken genutzt. Teile der ehemaligen Wirtschaftsgebäude stehen weiterhin der Gemeinde zur Verfügung.
(Stand & Fotos: Mai 2026)