Rittergut Niederneukirch
Forstweg 3–5
01904 Neukirch/Lausitz
Historisches
Die Geschichte des Rittergutes Niederneukirch reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits 1319 wird mit Thylich miles de Nuwenkirchin ein Angehöriger des Ritterstandes aus Neukirch urkundlich genannt. Ob sich diese frühe Nennung bereits eindeutig dem späteren Rittergut Niederneukirch zuordnen lässt, ist allerdings nicht sicher. Ein Rittergut in Neukirch ist spätestens seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Um 1580 entstand im Niederdorf der sogenannte „Niederhof“, der als Rittersitz des Hans Georg Marschalk bezeichnet wird. Damit lässt sich der spätere Standort des Rittergutes Niederneukirch bereits in der frühen Neuzeit fassen. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte auch Neukirch unter Plünderungen und Einquartierungen zu leiden. Für das Rittergut Niederneukirch sind aus dieser Zeit jedoch keine Ereignisse bekannt, die sich zweifelsfrei von der allgemeinen Ortsgeschichte abgrenzen lassen.
Im Jahr 1723 erwarb der Freiherr Daniel Erasmus von Huldenberg die Rittergüter Oberneukirch und Niederneukirch. Damit gelangten beide Güter in eine gemeinsame Gutsherrschaft, die über mehrere Generationen bestehen blieb. Auch der Niederhof blieb als landwirtschaftlicher Betrieb bestehen. Eine Akte aus den Jahren 1732 / 1733 belegt beispielsweise die Viehpacht auf dem Niederhof.
Nach dem Tod Gottlob Erasmus Curt von Huldenbergs im Jahr 1812 gingen die Rittergüter an seine Erben über. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden Ober- und Niederneukirch weiterhin gemeinsam verwaltet und verpachtet. Für 1816 ist beispielsweise die Übergabe der Rittergüter an den Gutsbesitzer Karl Gottlieb Mehnert aus Reinhardtsgrimma dokumentiert.
Das Stockhaus von 1817
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Rittergutes bildet das 1817 errichtete sogenannte Stockhaus. Das heute als ehemaliges Kavaliershaus bezeichnete Gebäude entstand in einer politisch und sozial angespannten Zeit.
Die Bevölkerung der Oberlausitz litt weiterhin unter den überkommenen gutsherrschaftlichen Verhältnissen. 1817 wurde auf dem Rittergut Neukirch ein neues „Stockhaus“ errichtet, das offenbar auch der Inhaftierung von Untertanen dienen sollte. Im Zusammenhang mit den späteren Unruhen von 1830 wird das Gebäude in zeitgenössischen Darstellungen mit der Gutsherrschaft und ihrer Gerichtsbarkeit in Verbindung gebracht.
Im Jahr 1830 kam es in Neukirch zur sogenannten „Hofrevolution“. Aufgebrachte Untertanen wandten sich gegen die Gutsherrschaft und den Gerichtsactuarius; Gerichtsakten und Mobiliar wurden auf den Vorplatz geworfen und verbrannt. Die Ereignisse stehen im Zusammenhang mit den damaligen Auseinandersetzungen um die noch bestehenden feudalen Strukturen.
Mit den Reformen des 19. Jahrhunderts verloren die Rittergüter nach und nach ihre alten grundherrlichen Rechte. Das Rittergut blieb jedoch als landwirtschaftlicher Besitz bestehen. Im Sächsischen Staatsarchiv sind bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts unter anderem Unterlagen über Pachtverhältnisse, Felder, Wiesen und Erbzinsen des Rittergutes Niederneukirch überliefert.
Nach 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Rittergut im Zuge der Bodenreform enteignet. 1946 wurden die Ländereien des Rittergutes unter Bauern, Häuslern und Siedlern aufgeteilt. Es entstanden dabei acht Neubauernstellen; insgesamt erhielten 243 Einwohner Land. Das Herrenhaus des Rittergutes wurde 1948 auf Grundlage des Befehls Nr. 209 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) abgerissen. Damit ging der zentrale herrschaftliche Bau der Anlage verloren. Erhalten blieben Teile der Wirtschaftsgebäude und weitere bauliche Zeugnisse des ehemaligen Rittergutes.
Heutige Nutzung
Vom ehemaligen Rittergut Niederneukirch sind heute insbesondere das ehemalige Kavaliershaus beziehungsweise Stockhaus von 1817, das anschließende Wirtschaftsgebäude aus der Zeit um 1750, ein Keller sowie Reste der Einfriedungsmauer erhalten. Das Wirtschaftsgebäude ist ein breit gelagerter Bruchsteinbau mit hohem Satteldach und wurde saniert. Der gegenüberliegende Keller besitzt unter anderem Granitgewände und eine erhaltene steinerne Treppe. Die erhaltenen Bauteile stehen unter Denkmalschutz.
Das ehemalige Rittergutsareal wird heute nicht mehr landwirtschaftlich als Gutshof genutzt. Das Naturschutzzentrum „Oberlausitzer Bergland“ e. V. hat dort Räumlichkeiten und ist in das heutige öffentliche Leben des Ortes eingebunden. Zu den Aufgaben des Vereins gehören unter anderem Landschaftspflege, Artenschutz und Umweltbildung.